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Mutter, Gerbert 1922-1989

Mutter, Gerbert 1922-1989

Mutter, Gerbert 1922-1989

ST. BLASIEN. Am 21. August 1922 wurde Gerbert Mutter in St. Blasien geboren. Mit 12 Jahren spielte er seine erste eigene Komposition. Als Komponist machte er sich weltweit einen Namen.

Er besuchte das Kolleg St. Blasien und nach der mittleren Reife das Friedrich-Gymnasium Freiburg, wo er das Abitur machte. 1941 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er in russische Gefangenschaft. Während dieser Zeit entstanden eine Reihe von Gedichten, Fragmente mit dem Titel Der Wunderalltag eines Kriegsgefangenen.
Von 1946 bis 1950 studierte Mutter an der Hochschule für Musik Trossingen bei Helmut Degen und Gerhard Frommel Komposition und bei Hans Brehme Klavier. Gerhard Frommel war Meisterschüler von Hans Pfitzner.

Nach seinem Examen als Musikerzieher wurde Mutter 1952 Lehrer für Klavier und Musiktheorie am Jesuiten-Kolleg in St. Blasien. Anschließend studierte er an der Hochschule für Musik Freiburg noch Musiktheorie bei Karl Ueter, einem ehemaligen Schüler von Franz Schreker in Berlin. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Musiklehrer wurde er ein vielgefragter, versierter Liedbegleiter und Organist. Die neu gegründete Pädagogische Hochschule in Lörrach berief Mutter als Dozent für Musiktheorie und Klavier. 1983 wurde er stellvertretender Leiter der Jugendmusikschule Hochrhein Südlicher Schwarzwald. Im selben Jahr wurde er vom Obermarkgräfler Sängerbund als zweiter Komponist nach Franz Philipp für außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet der Chorkomposition mit dem Alemannenring ausgezeichnet.

In der Gesamtschau seiner knapp 250 Werke fällt der große Anteil an Kirchenmusik auf: Kantaten, Kirchenlieder in diversen Besetzungen, Motetten, Messen in latein und deutsch, sein Oratorium Der Sonnengesang des Franz von Assisi für große Besetzung und eine Johannespassion. Auch Werke für Laienbesetzungen finden sich sowie Werke, die für den Rundfunk geschrieben wurden, sowie sein Oratorium oder die Missa brevis 1961 für die Donaueschinger Musiktage. Die Zielgruppe der Laienbesetzung gilt vor allem für seine weltliche Chormusik. Hier nehmen die Werke für Männerchor einen breiten Raum ein.

Relativ spät entdeckte Mutter ein weiteres Genre der Laienmusik und beschäftigte sich seitdem immer wieder mit Kompositionen für Blasorchester und Blasensembles. Auf die Anregung von Rudolf Siebold, Vorsitzender des Bund Deutscher Blasmusikverbände, fand der Komponist schnell Freude an diesem Genre. Die Renaissance arteigener Blasmusik – von Willy Schneider, Hermann Regner, Hellmut Haase-Altendorf und einigen schweizerischen und österreichischen Komponisten propagiert und zur zeitgenössischen Blasmusik weiterentwickelt – findet mit ihrer rhythmischen Prägnanz, ihren Ausdrucksmöglichkeiten sowohl im feierlich getragenen, festlichen Klang als auch im tänzerischen Heiter – Beschwingten Mutters Interesse und in ihm bald einen profilierten Vertreter. Dieses Schaffen wurde mit einer Reihe von Auftragswerken und Preisen gekrönt, darunter etwa das Auftragswerk des Südwestfunks Zum Neujahrstag für 4-6stimmigen gemischten Chor und Bläser. Er war auch als einziger deutscher Tonsetzer bei den internationalen Blasmusiktagen in Uster (Schweiz) mit einem vielbeachteten Kompositionsauftrag vertreten.

In seinen Werken für Orgel und Klavier und in seinen Stücken begleitende Soloinstrumente spricht Mutter vor allem den professionellen Musikanten an. In diesen Werken wird seine kompositorische Meisterschaft reflektiert. Sich bis an den Grenzen des freitonalen Raums bewegend, ist ihnen allen eine vom gregorianischen Choral inspirierte, stark archaisierende Tonsprache mit farbenreichen Akkordmischungen und Finalwirkungen eigen. Die imponierende Beherrschung selbst schwierigster Kompositionstechniken steht immer im Dienst einer starken, mit synkopischen Elementen durchsetzten Rhythmik. Mutters kompositorische Vorbilder waren auf dem instrumentalen Sektor Paul Hindemith und Igor Fjodorowitsch Strawinski. Im vokalen Bereich orientierte er sich an Carl Orff, mit dessen Stil vor allem das große Werk Grasshoffiana verwandt ist. Aber auch Harald Genzmer war ihm ein Leitweg. Nach den frühen Experimentierjahren, in denen er sich auch mit der Zwölftonmusik auseinandersetzte, zollte er einem gemäßigteren Stil Rechnung, mit dem er bei den Musikverlagen den angestrebten Erfolg hatte.


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