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06.03.2018 - Mumienspuk Das Erbe der Barone von Hofstetten Teil 2

 
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Mumienspuk: 2. Leseprobe
 
»Wir warten auf dich, Max«, rief Micha ins Musikzimmer hinüber. »Du brauchst mehr Zeit als eine alte Jungfrau, die sich mühsam aufputzen muss. Selbst Tessi ist schon fertig.«
 
»Mein Kostüm ist auch viel schwieriger anzuziehen«, kam die Antwort zurück. »Schmeiß schon mal ne geile Platte auf den Plattenteller, damit ich gleich lossteppen kann.«
 
»Ich will versuchen, ob ich den Apparat in Betrieb kriege.« Micha betätigte die Kurbel und legte den Mikrophonarm auf die Platte. »Darf ich bitten, Mylady?«, sagte er dann mit einer ungeschickten Verbeugung, als die Musik ertönte. »Wir wollen mal sehen, was wir dazu tanzen können.«
 
Die beiden hatten zunächst Schwierigkeiten. Nach einigen missglückten Bemühungen hatten sie es aber raus und verrenkten gekonnt Arme und Beine nach dem Takt der Musik. Sie waren so vertieft in die Schrittfolge, dass sie erst aufmerksam wurden, als sich eine unförmige Hand auf Michas Schulter legte und Einhalt gebot. Als sie überrascht aufsahen, waren sie zunächst fassungslos. Max hatte die Geschmacklosigkeit besessen, trotz des Schreckens, den Tessi deswegen bereits ausgestanden hatte, nochmals als eingewickelte Mumie zu erscheinen und sogar den Verwesungsgeruch nicht vergessen, der von den schmutzig gelben Binden ausging.
 
»Pfui Teufel«, äußerte Tessi voller Abscheu. »In dieser Aufmachung tanze ich nicht mit dir, Max.«
 
»Es könnte ganz nützlich sein«, redete ihr Micha zu, der an den Zweck der Aktion dachte, den rumspukenden Geist zu provozieren. »Vielleicht hat Max sogar die beste Verkleidung von uns gewählt.«
 
Die Mumie ließ sich auch auf gar keine Diskussion ein. Als Micha das Mädchen freigab, schnappte sie es und begann mit ihm einen wilden Tanz aufzuführen, der alles übertraf, was Micha sich eben abgebrochen hatte. Es war eigentlich kein Tanzen, sondern ein wildes Stampfen, wobei er sein Opfer hin und her wirbelte, als befände es sich in einer Zentrifuge, in der für die Weltraumfahrt trainiert wird. Tessi kam gar nicht mehr dazu, ihren Protest zu wiederholen, weil sie alle Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben. Die beiden bewegten sich aus dem Speisezimmer hinaus in den Salon. »Wirklich gut gespielt«, murmelte Micha anerkennend. »Das Ganze sieht ziemlich echt aus.« Er steckte sich ein Häppchen in den Mund und ließ sich auf einen Stuhl im Esszimmer fallen.
 
In diesem Augenblick trat eine Gestalt aus dem Musikzimmer im langen weißen Gewand eines Ordensritters, ein rotes Kreuz auf seiner Brust. Er schwenkte ein kurzes Holzschwert und rief mit donnernder Stimme: »Wo ist meine holde Braut. Sie rief nach mir? Ich vernahm meinen Namen.«
 
Micha war einen Augenblick lang wie versteinert. Er starrte hilflos auf den Ankömmling, der mit der Stimme seines Freundes sprach. Und, wie die nähere Überprüfung ergab, auch sein Freund war. Wie konnte er durch diese Tür hereinkommen, wo er doch nebenan mit Tessi tanzte? Es dauerte einige Sekunden, bis der Junge das Unmögliche begriff. Dann reagierte er blitzschnell. Er sprang auf und lief hinüber. Er kam aber schon zu spät: Der Raum war leer.
 
ENDE DER LESEPROBE
 
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