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Timorasso ist sowohl der Name für einen Wein als auch für die Rebsorte, aus der er hergestellt wird.

Die Rebsorte ist geschichtlich bis ins 15 Jahrhundert zurück nachzuweisen. Sie ist eine autochtone Rebsorte, d.h. sie wurde ausschließlich lokal in der Gegend von Tortona im Piemont angebaut. Auch heutzutage ist sie weitgehend auf das Colli Tortonesi begrenzt, ein Gebiet im östlichen Piemont an der Grenze zur Lombardei. Timorasso führte bis vor wenigen Jahren ein Schattendasein unter den Trauben. Der Ertrag ist nicht besonders hoch und die Pflege der Weinberge erfordert mehr Sorgfalt als bei anderen Sorten. Aus diesem Grund haben sich die Winzer vor allem auf die in der Gegend vorherrschenden Rebsorten wie Barbera, Croatina oder Cortese fokussiert. Timorasso wurde dagegen eigentlich nur dazu verwendet, anderen Weinen beigemischt zu werden, um sie abzurunden.

 

Timorasso wurde 1986 wieder zum Leben erweckt

Erst 1986 hat der Winzer Walter Massa aus Monleale den damals mutigen Schritt gewagt, einen reinrassigen Timorasso abzufüllen. Ausgangspunkt dabei war vor allem die Neuigier herausfinden zu wollen, welches Potential in der Traube steckt. Einige Winzer haben ihn dabei auch für verrückt erklärt, insbesondere als er auch noch anfing, weitere Parzellen mit der Rebsorte zu bepflanzen. Inzwischen wurden die Zweifler aber eines Besseren belehrt.

In der Weinbranche gibt es viele Weine und Rebsorten, die gefällig sind uns sich leicht trinken lassen. Sie hinterlassen aber keinen nachhaltigen Eindruck. Ein Timorasso dagegen entspricht nicht dem Mainstream der Weinbranche. Er ist ein echter Charakterkopf. Vielleicht ist er von seinem Wesen her mit einem Montrachet zu vergleichen. Dieser Wein ist eine Perle aus dem Burgund, die aus Chardonaytrauben hergestellt wird. Chardonay wird in nahezu jedem Weinbaugebiet der Erde angebaut. Aber ein Montrachet erkennt man sofort an seinem besonderen Geschmack, der nur in diesem Gebiet des Burgund aus den Trauben gewonnen werden kann. Ähnlich ist es mit dem Timorasso. Man erkennt ihn sofort, wenn man ihn trinkt. Nur gibt es einen gravierenden Unterschied zum Chardonay: Timorasso wird fast ausschließlich im Colli Tortonesi angebaut!

 

Eindeutig ein Charakterkopf

Ein Timorasso ist ein richtiger "Augenwein". Wenn Sie diesen Namen jemandem gegenüber erwähnen, der noch nie das Glück hatte, einen zu probieren, werden Sie auf große fragende Augen treffen. Leider ist Timorasso derzeit immer noch der große Unbekannte auf dem Weinmarkt. Wenn Sie Timorasso aber jemanden gegenüber erwähnen, der schon in den Genuß dieser großartigen Weine kam, werden sie bei ihm sofort leuchtende Augen sehen. Denn ein Timorasso bleibt im Gedächtnis haften, vor allem, wenn er getrunken wird, nachdem er schon einige Jahre reifen konnte.

Auch das ist einer der Gründe, warum Timorasso ein Charakterkopf ist, der aus der breiten Masse an Weinen herausragt. Er zeichnet sich durch eine imposante Struktur und Komplexität aus, bei der besondere Fruchtnoten mit eleganten Säurestrukturen eine famose Symbiose eingehen. Die Weine haben ein Lagerungspotential von mehr als 15 Jahren und sollten nicht zu jung getrunken werden. Denn erst nach einigen Jahren treten die charakteristischen Petrolnoten und die mineralischen Töne zum Vorschein.